Pferdegerechte Fütterung

Das natürliche Ernährungsverhalten des Pferdes

Das Pferd als Steppenbewohner ist von Natur aus auf eine konstante Aufnahme von Gras eingestellt, d.h. die Verdauung ist ausgelegt auf kleine Futtermengen mit hohem Fasergehalt. Anders als z.B. der Mensch produziert das Pferd kontinuierlich Magensäure, unabhängig von der Futteraufnahme.

Das Pferd als Steppenbewohner:

- Langdauernde stetige Bewegung bei der Futtersuche und -Auswahl

- Ständige Aufnahme kleiner Mengen von Pflanzennahrung, die relativ wenig gehaltvoll ist
  und sich erst langsam zur Sättigung summiert

- Ausgiebige Kautätigkeit und Futtereinspeichelung

- Aufnahme größerer Mengen Wasser nach der Futteraufnahme

- Einlegen von Fresspausen nach eigenem Bedürfnis

Die in der Pferdehaltung praktizierte Fütterung weicht vom natürlichen Fressverhalten der Pferde jedoch häufig ab. Dies kann sich negativ auf die Gesundheit der Tiere auswirken.               

Wenn beispielsweise stoßweiße hohe Mengen an Kraftfutter aufgenommen werden, gefolgt von langen Futterpausen, kann dies zu Problemen im Magen-Darm-Trakt führen:

Zum einen werden Magen und Darm überlastet. Durch Magenüberladung oder Gasbildung kann es zu Koliken kommen. 

Andererseits fehlt den wertvollen Darmbakterien im Dickdarm ein kontinuierliches und artgerechtes Nährstoffangebot, so dass bei längeren Fütterungspausen (über 12 Stunden) die Zahl und Aktivität dieser wichtigen Darmbakterien abnimmt. Dadurch können die Verdauungsvorgänge beeinträchtigt werden.   

Ein hoher Rohfasergehalt des Futters dient als arttypisches Substrat für eine gesunde Darmflora: Im Dickdarm und Blinddarm des Pferdes werden die Faseranteile durch Darmbakterien verwertet und zersetzt. Dabei entstehen wichtige Fettsäuren, die dem Pferd als Energielieferanten dienen. Durch den positiven Einfluss der bakteriellen Zersetzung auf den pH-Wert des Darminhalts wird eine gesunde Zusammensetzung der Darmflora gefördert.

Bei der Verdauung von Raufutter und Kraftfutter gibt es wichtige Unterschiede:   

Raufutter
(Wiesenheu, Heusilage)
Kraftfutter
(Hafer, Ergänzungsfutter)

MaulhöhleLange Kauzeit: 45 Minuten für 1 kg
Instensive Einspeichelung
Kurze Kauzeit: 15 Min für 1 kg
Geringe Einspeichelung
MagenFüllung langsam,
pH-Wert-Senkung gut:
Futterbrei ist am Magenausgang sauer, da der Raufutterbrei gut durchlässig für Magensäure ist
Füllung schnell,
pH-Wert-Senkung schlecht:
Futterbrei ist am Magenausgang weniger sauer, da der Kraftfutterbrei verdichteter und weniger durchlässig für Magensäure ist
DünndarmMikrobielle Aktivität moderat; Reduzierung der Mikroorganismen durch die MagensäureMikrobielle Aktivität evtl. zu hoch; zu wenige Mikroorganismen werden abgetötet;
Folge sind z.T. Fehlgärungen mit Aufgasungen
DickdarmAusgeglichene Verdauung
(säurearm)
Hohe Kraftfuttergaben können übersäuern und Mikroorganismen zerstören

Durch eine nicht optimale Fütterung, u.a. durch die Gabe großer Mengen Kraftfutter, durch Stress und andere Faktoren kann es
unter anderem zu einer Schädigung der Magenschleimhaut kommen.

Ein großer Anteil der Sport- und Freizeitpferde ist davon betroffen. Um der Entstehung solcher Magenprobleme vorzubeugen,
sollte auf eine pferdegerechte Fütterung geachtet werden.

Wichtige Hinweise für eine pferdegerechte Fütterung:

Die Fütterungstechnik sollte sich an den ursprünglichen Verhältnissen orientieren.

Das heißt im besten Falle sollte dem Pferd eine kontinuierliche Aufnahme von Raufutter ermöglicht werden. Lange Fresspausen sollten
vermieden werden.

In der Praxis lässt sich die Aufnahme kleiner Futtermengen über den ganzen Tag verteilt meist nur in begrenztem Ausmaß umsetzen.
Es sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass nach einer längeren Futterpause zunächst überwiegend Raufutter gefüttert wird.

Merke:

Um Pferde ausreichend kauend zu beschäftigen, ist der Erhaltungsbedarf ausschließlich über Raufutter zu decken oder es sind mindestens 1,5 kg kaufähiges Raufutter (z.B. Heu) pro 100 kg Körpermasse zuzuteilen.

Normal belastete Sport- und Freizeitpferde sind mit einer ausschließlich aus Raufutter bestehenden Fütterung im Regelfall ausreichend versorgt.

Falls eine zusätzliche Gabe von Krippenfutter erfolgen soll, ist es für die Verdauungsvorgänge (Speichelbildung, Schichtung des Futters im Magen, Verdauungsvorgänge im Magen und Dünndarm) günstiger, die Fütterung mit einer Raufuttergabe zu beginnen und erst nach 10-15 Minuten Krippenfutter zuzuteilen.

Da auch Stressfaktoren bei der Entstehung von Schäden an der Magenschleimhaut eine Rolle spielen, sollten mögliche Stressfaktoren (z.B. ungeeignete Trainingsmethoden, häufige Transporte, soziale Spannungen bei Gruppenhaltung) reduziert oder beseitigt werden.